Der persische Kalender und Nowruz einfach erklärt
Von Omid Jamshidi · Veröffentlicht · 6 Min. Lesezeit
Wie der iranische Sonnenkalender funktioniert, wie man persische Datumsangaben in Nachrichten umrechnet und was zu Nowruz geschieht, dem persischen Neujahrsfest, das mehr als 300 Millionen Menschen feiern.
Wer Nachrichten aus Iran oder auf Persisch liest, stößt bald auf Daten wie „28. Mehr 1405“. Das ist kein Tippfehler: Iran hat einen eigenen Kalender, und sein Jahr beginnt nicht am 1. Januar, sondern im Frühling – mit dem Fest Nowruz. Dieser Ratgeber erklärt, wie der Kalender aufgebaut ist, wie man seine Daten umrechnet und was es mit Nowruz auf sich hat.
Ein Sonnenkalender, der im Frühling beginnt
Irans offizieller Kalender ist der iranische Sonnenkalender (persisch: Hedschri-Schamsi). Wie unser gregorianischer Kalender richtet er sich nach der Sonne, seine Monate liegen also immer in denselben Jahreszeiten. Per Gesetz wurde er 1925 zum amtlichen Kalender Irans.
Zwei Dinge machen ihn anders:
- Das Jahr beginnt mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche, um den 20. oder 21. März. Liegt der astronomische Frühlingsanfang vor 12 Uhr mittags Teheraner Zeit, ist dieser Tag Neujahr, sonst der folgende Tag. Weil der Beginn astronomisch festgelegt wird und nicht nach einer Faustregel, passt der Kalender sehr genau zu den Jahreszeiten.
- Die Jahre werden ab 622 n. Chr. gezählt, dem Jahr, in dem der Prophet Mohammed von Mekka nach Medina auswanderte (die Hidschra) – allerdings in Sonnenjahren. Deshalb ist die persische Jahreszahl rund 621 niedriger als unsere.
Die zwölf Monate
Die ersten sechs Monate haben 31 Tage, die nächsten fünf 30 und der letzte 29 – im Schaltjahr 30. Im Jahr 1405, das am 21. März 2026 begann, liegen die Monate so (von Jahr zu Jahr kann sich das um einen Tag verschieben):
- Farwardin: 21. März – 20. April
- Ordibehescht: 21. April – 21. Mai
- Chordad: 22. Mai – 21. Juni
- Tir: 22. Juni – 22. Juli
- Mordad: 23. Juli – 22. August
- Schahriwar: 23. August – 22. September
- Mehr: 23. September – 22. Oktober
- Aban: 23. Oktober – 21. November
- Azar: 22. November – 21. Dezember
- Dey: 22. Dezember – 20. Januar
- Bahman: 21. Januar – 19. Februar
- Esfand: 20. Februar – 20. März
Weil das Jahr mit den drei Frühlingsmonaten beginnt, fängt jede Jahreszeit mit einem Monatsanfang an: der Sommer mit Tir, der Herbst mit Mehr – dann beginnt in Iran auch das Schuljahr – und der Winter mit Dey.
So rechnet man ein persisches Datum um
Für das Jahr addiert man 621 zur persischen Jahreszahl, wenn das Datum zwischen Nowruz und dem 31. Dezember liegt, und 622, wenn es zwischen dem 1. Januar und dem nächsten Nowruz liegt. Beispiele:
- 28. Mehr 1405 → 1405 + 621 = 2026; Mehr beginnt am 23. September, der 28. ist also der 20. Oktober 2026.
- 10. Dey 1405 → Dey reicht zwar in den Januar, aber der 10. liegt noch im Dezember: 31. Dezember 2026.
- 15. Bahman 1405 → 1405 + 622 = 2027; Bahman beginnt am 21. Januar, der 15. ist also der 4. Februar 2027.
Für genaue Umrechnungen, vor allem nahe am Monatsanfang, ist ein Online-Datumsrechner am sichersten. Wer Nachrichten in mehreren Sprachen vergleicht, sollte bei Daten genau hinsehen: Persische Medien nennen meist persische Daten, und ein Bericht über „letzte Woche“ kann in anderen Sprachen Tage früher oder später erscheinen.
Für religiöse Zwecke nutzt Iran einen zweiten Kalender: den islamischen Mondkalender, dessen Monate dem Mond folgen. Sein Jahr ist etwa elf Tage kürzer. Religiöse Feiertage wie der Ramadan oder Aschura wandern deshalb durch die Jahreszeiten und liegen im Sonnenkalender jedes Jahr etwa elf Tage früher.
Nowruz: das persische Neujahr
Nowruz bedeutet „neuer Tag“. Das Fest markiert den ersten Frühlingstag und gehört zu den ältesten Festen der Welt; seine Wurzeln reichen Jahrtausende vor die Zeit des Islams zurück. Gefeiert wird es nicht nur in Iran, sondern auch in Afghanistan, Zentralasien, im Kaukasus, von Kurdinnen und Kurden und in der Diaspora weltweit – nach Angaben der Vereinten Nationen von mehr als 300 Millionen Menschen. Die UNESCO nahm Nowruz 2009 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf, und die UN-Generalversammlung erklärte 2010 den 21. März zum Internationalen Nowruz-Tag.
Die Feiern ziehen sich über etwa zwei Wochen:
- Tschahar-Schanbe-Suri – am Vorabend des letzten Mittwochs im Jahr springen die Menschen über kleine Feuer. Der Brauch soll die Sorgen des alten Jahres zurücklassen.
- Haft Sin – Familien decken einen Tisch mit sieben Dingen, deren persischer Name mit dem Buchstaben Sin (S) beginnt und die jeweils für eine Hoffnung stehen: etwa gekeimter Weizen oder Linsen (Sabzeh), ein süßer Weizenbrei (Samanu), getrocknete Ölweidenfrüchte (Sendsched), Essig (Serkeh), Äpfel (Sib), Knoblauch (Sir) und Sumach (Somagh). Oft kommen ein Spiegel, Kerzen, bemalte Eier und Goldfische dazu.
- Der Moment des Jahreswechsels – die Familie versammelt sich zum genauen Zeitpunkt der Tagundnachtgleiche, Tahwil-e Sal genannt, der zu jeder Tages- und Nachtzeit liegen kann.
- Besuche – in den folgenden Tagen besucht man Verwandte, zuerst die ältesten Familienmitglieder.
- Sizdah Bedar – am 13. Tag verbringen die Menschen den Tag im Freien, in Parks und in der Natur, und beenden damit das Fest. Die Sprossen vom Haft-Sin-Tisch werden oft in fließendes Wasser geworfen.
In Iran sind die ersten vier Tage des Farwardin und der 13. gesetzliche Feiertage, und die Schulen schließen für rund zwei Wochen.
Warum das beim Nachrichtenlesen wichtig ist
Der Kalender prägt, wie über Ereignisse berichtet wird. Iranische Haushalte, Statistiken und Regierungspläne beziehen sich meist auf das persische Jahr, das von März bis März läuft – „die Inflation im Jahr 1404“ umfasst also einen anderen Zeitraum als „die Inflation 2025“. Rund um Nowruz kommt das öffentliche Leben in Iran für zwei Wochen fast zum Stillstand, was ruhige Phasen in den Nachrichten erklären kann. Und für Millionen Menschen in der Diaspora, auch in Deutschland, ist Nowruz das wichtigste Fest des Jahres.
Die persische Ausgabe von Omid57.info zeigt das heutige Datum und das Veröffentlichungsdatum jeder Meldung im persischen Kalender – dort sieht man ihn im täglichen Gebrauch. Unser Ratgeber Warum dieselbe Nachricht in anderen Sprachen anders aussieht hat weitere Tipps zu Daten, Zahlen und Zeitzonen über Sprachgrenzen hinweg.
Fazit
Der persische Kalender ist genau, an den Jahreszeiten ausgerichtet und leicht umzurechnen, wenn man seinen Aufbau kennt: Das Jahr beginnt mit dem Frühling, die ersten sechs Monate haben 31 Tage, und zur Jahreszahl addiert man 621 oder 622. Und Nowruz, der neue Tag zur Frühlings-Tagundnachtgleiche, ist weit mehr als ein Datum – es ist ein Fest der Erneuerung, das viele Völker und Länder teilen.